Zeitraffer

Wow, bei der Titelauswahl im Hinblick auf das Datum des letzten Eintrages, musste ich grad nachdenken, ....Zeitraffer trifft es wohl am ehesten. Wenn man zusammenfassen möchte, was im Grunde genommen nicht nach viel ausschaut, aber im Schnelldurchlauf doch als Bewegung gesehen werden kann bzw dadurch bewiesen wird.

 Mich faszinieren Zeitraffer immer. Dank der neuen Technik auch für mich wunderbar festzuhalten was um mich herum passiert während ich einfach nur da sitze. Bereits 2 Mal ist mir so eine Aufnahme wirklich gelungen und wahrscheinlich auch, oder gerade deshalb, weil ich an atemberaubend schönen Orten mit spannenden Stimmungen weilte und mir die Zeit dazu nahm.


Die Zeit nehmen, das ist wieder so ein Stichwort. Schnelllebig und sensationsverwöhnt wie wir alle sind, gab es in dem einen Jahr nicht viel hervor zu heben. Es ist nicht so wie bei einem Kind, dass zum ersten Mal sich aus Eigenem um die Körperachse dreht, oder auch zum ersten mal krabbelt oder beginnt zu stehen und kurz darauf zu laufen. Diese Entwicklung ist wie gewöhnlich linear ansteigend, zwar individuell, aber geht in der Regel ohne äußere Einflüsse nach oben. Bei einem "Reset" wie es hier der Fall ist, und nicht wie bei der Geburt eines Fluchttieres, dass innert der nächsten 60 min aufsteht und mit galoppiert mit seinem Muttertier, lässt sich das nicht so genau vorher sagen. Was ich damit zum Ausdruck bringen möchte, mit dieser ganzen Einleitung ist, dass man immer meint es gibt keine Fortschritte und dazu noch, dass es keine Rückschläge gibt. Wie immer weit gefehlt. Denn zu ersterem, erwarten sich viele immer Sensationen und ein Feuerwerk an Höhepunkten, die gerade aber aus Grund Nummer 2, ja, es gibt immer mal wieder Rückschläge, nicht oder nur unvollständig eintreten.

Nun kann man darüber hadern und abwarten, oder aber weitermachen mit Sachen die eben "gehen" und lässt das andere einfach passieren. Erzwingen kann man nichts, man kann nur die Weichen optimal stellen und dem ganzen einfach seinen Lauf lassen.

Das Ganze klingt jetzt irgendwie negativ, aber das ist es nicht. Ganz und gar nicht, ja im Gegenteil...es gab nur zwischendurch nichts nennenswertes zu berichten, außer, dass man einfach seinen Prinzipien treu bleibt und dem ganzen seine Zeit  lässt. Es hat ja auch Zeit gebraucht um schlecht zu werden, also benötigt es auch wieder die Zeit für die andere Richtung.

 

Zurück zum Zeitraffer. Die Hufe haben sich schön entwickelt. Ich verwende absichtlich diese Bezeichnung, da Otto-Normal Reiter schöne von außen betrachtet, sehen würde. Glatte Oberfläche, keine Ringe, Winkel nahezu wieder richtig.

 

In meinen Augen ist das Projekt "Rehe" fast abgeschlossen. Fast wenn nicht ganz. Was aber nicht heißt, dass es gut ist.  Wir befinden uns in der Entwicklung jetzt da, wo alles angefangen hat. Und genau jetzt ist eine empfindliche Zeit, wo sich alles zum Guten oder Schlechten wieder wenden kann.

 

Unser Patient läuft, wie er seit fast einem Jahr immer läuft, mal fühliger, mal weniger fühlig. Auch Schotter und Kies nicht so gerne, weil er das ja auch nicht gewohnt ist. Nicht, dass er nie darauf laufen hätte müssen...nein weil er wie jedes andere Pferd das barhuf geht und domestiziert gehalten wird, auf Kies nicht laufen kann. Kies, Schotter, harter Boden etc fasse ich jetzt mal zusammen im Gegensatz zu weicher Sandplatz, Wiese...

Der Huf bzw das Horn ist bemerkenswert. Es passt sich den äußeren Gegebenheiten an. Das ist keine romantische Floskel, sondern Fakt. Ich kann nicht sagen, wie lange es durchschnittlich dauert, ich weiß nur ein Huf braucht durchschnittlich 1 Jahr von der Krone bis zum Boden um komplett nach unten zu wachsen. Ein kranker Huf wächst schneller, hat aber auch viel mehr auszugleichen. Zusammenfassend und um wieder zum Thema zu kommen, wenn ich den ganzen Tag auf Schaumstoff stehe, kann ich abends nicht einen 100 m Sprint auf Schotter laufen, ohne "Aua" zu sagen, auszuweichen oder stehen zu bleiben. Genau so sehe ich es mit den heutigen Barhufpferden.

 

Im Umkehrschluss heißt das ganz einfach, wenn ich mit meinem Pferd problemlos (Vorwärtsdrang, entspannte Körperhaltung..etc) auf Schotter reiten möchte, muss ich entweder den Auslauf mit Steinen versehen oder die Box mit Schotter einstreuen. Das macht kein Mensch.

 

Trotzdem sehe ich es wie auch beim Pferdetraining als die Pflicht des Besitzers, Reiters und Halters, das Pferd an die verschiedenen Untergründe - wie in einer Physiotherapie - zu gewöhnen. Langsam beginnend und immer wieder mit Pausen, aber konsequent. Es gibt keinen anderen Weg, der eine Verbesserung der Ursache bringen könnte. Der Ursache und nicht der Symptome. Ich spreche mich ganz klar gegen Eisen aus, einfach aus den bekannten Gründen (Durchblutungsstörungen, Schädigung der Wand, Zerrung der weißen Linie,..) und zu einem kleine Teil gegen Hufschuhe. Hufschuhe gehören ergonomisch gebaut, abgerundet und auch nur verwendet um dem Pferd überhaupt eine runde Bewegung zu ermöglichen. Trotzdem gehört ein laufen auf Kies ohne Hufschuhe regelmäßig dazu. Damit sich der pathologische Zustand der Hufe verbessert.


Wie hieß es noch zu Beginn des Blogs, nur ein gesunder Huf...dies würde auch bedeuten, dass fühlige Hufe = kranke Hufe sind.  Und das unterschreibe ich. Jederzeit.

 

Nun also befinden wir uns also wieder an einem Anfang,...am Anfang eines Weges der nur mit Konsequenz begangen werden kann.

 

noch einmal zu unserem Pferd mit Rehe,...keine bedeutende Veränderung am Huf, der Sohle oder am Strahl, lediglich regelmäßiges Trimmen der Mustangrolle mit besonderer Berücksichtigung der Sohlenhöhe von welcher aus wir die Mustangrolle ansetzen. Derzeit kann er mit Hufschuhe geritten werden, da läuft er schön vorwärts und spazieren gehen (je nach Dauer / Länge des Weges) mit oder ohne Hufschuhe. Die Arbeit beginnt erst jetzt.... 

10.5.17 14:35, kommentieren

Weihnachten, Geburt...oder Folge dem Stern

Etwas unspektakulär fielen die letzten Wochen aus, natürlich nur von Leserseite her. Es gilt in der Zeit in welcher "nicht viel" passiert an der Oberfläche, seine Reserven aufzufüllen, zu verschnaufen und dem Prozess zu vertrauen auch wenn man ihn nicht kennt - denn jeder Weg ist ein anderer. Ein ähnlicher vielleicht, aber sicherlich anders.

 

Die Abszesszeit war anstrengend genug. 

Und so kam es dass die Wochen vergingen, mit Hufpflege und kleineren Spaziergängen.

Zu Weihnachten dann, setzte anstatt Schneefall Föhn ein. Die Pferde hatten zuerst Kotwasser, dann Durchfall, was definitiv von der Wetterlage kam...denn das Heu war seit November immer dasselbe gewesen. 2 Tage nach Weihnachten, bemerkte ich unter der Herde eine Unruhe, welche sehr seltsam war. Es war immer Bewegung in der Herde. Nach genauerer Beobachtung, fiel mir auf, dass Jack, welcher nun auf täglicher Basis seine Hufschuhe mit Sporteinlagen trägt, die anderen herumschickt. Am Abend dann, ließ er mich keine Sekunde aus den Augen und verfolgte mich - höflich aber stetig - auf Schritt und Tritt. Ich hatte das Gefühl, irgendetwas war anders, er war aufmerksamer, nahm Anteil und im Gegensatz zu den letzten Monaten, war er mal nicht mit sich selbst beschäftigt.

Dann überlegte ich, dass eigentlich so jeden Morgen irgendein Saustall im Stall herrschte, welche in Reichweite seines Kopfes war. Er hatte...LANGEWEILE...

Man könnte jetzt sagen, ist ja klar, wenn der nur rumsteht - monatelang - ...aber ich denke er hatte andere Sorgen schlussendlich, als sich gelangweilt zu fühlen. Es schien an diesem Abend, als ob er mehr wollte, als nur zum Heu und zur Selbsttränke zu kommen. 

Am nächsten Tag bzw Morgen war die Herde auf der gefrorenen Wiese und Jack, buckelte unentwegt. Bewegungsdrang. Freude und Übermut...trotz der für die Dichte des Felles zu hohen Temperaturen.

Also entschied ich mich, den Jungen zu reiten. In Absprache mit der Besitzerin bzw sie begleitete mich schlussendlich, sattelte ich ihn, als ob nie was anderes gewesen wäre. Er stand ruhig da. Und als wir auf die anderen warteten, trug er mit Stolz den Sattel. Klingt jetzt alles ziemlich pathethisch, aber es herrschte eine ziemlich festliche Stimmung bevor es losging. Mit den Hufschuhe folgte er schnellen Schrittes, die Ungeduld mancher Spaziergänge war verschwunden, kein Rempler, nur geduldiges Warten. Bis der Sattel fester angezogen war, die Steigbügel passten und schlussendlich, endlich, der Reiter im Sattel war.

Dann gab es allerdings kein Halten mehr bzw gab ich ihm die Freiheit, so schnell im Schritt zu gehen wir er dachte, er müsste das. Offensichtlich hatte er viel vor bzw sich wahrscheinlich erdacht gehabt für sein erstes Mal. Er ging als Erster, ohne Zögern, allen voraus bis hin zum Wald. Dann weiter und versuchte sich im lockeren Trab. Nach ca 20 min bergauf, schien eine Pause richtig. Schließlich gingen wir bergab, um es nicht zu übertreiben und zu Hause, durfte er sich noch in der Wiese wälzen. Anschließend hatte er immer noch genügend Energie...

Motivation ist sehr wichtig. Nach dieser langen Durststrecke für ihn...

10 Monate nicht geritten

noch länger nicht im Gelände

noch nie im Gelände ohne Gebiss oder Zügelkontakt

bin ich schon auf den 2. Ritt gespannt.

Wie die Besitzerin sich an diesem Tag fühlte, nachdem zwischendurch immer wieder Zweifel aufkamen, ob die Sache klappt, ob er nicht besser von seinem Leid erlöst werden sollte...kann sich wohl jeder vorstellen.

Ein schönes Weihnachtsgeschenk!

 

  

  

30.12.15 11:13, kommentieren