Durchbrüche

Die letzte Woche war spannend. Ich entdeckte bei der Hufkontrolle, dass sich die Sohle anfängt zu lösen. Es war lediglich ein kleiner Riss kreuzförmig im Bereich der Zehen am linken, bösen Huf. Die Sohle ist seit der Abnahme der Hufeisen an diesem Huf nach außen gewölbt gewesen und ich dachte mir, nachdem sich der Huf durch die Senkung selbst geholfen hat, wird die Sohlen irgendwann,  nämlich wenn sie nicht mehr gebraucht wird, sicherlich abgeworfen werden. Nun da das Hufwachstum im Bereich des Kronrandes noch nicht so richtig angelaufen war durch die ganzen Abzesse usw, lediglich im Trachtenbereich, und er erst 5 Monate bei uns ist, war ich überrascht, dass es jetzt geschehen sollte. Außer dem Riss war nichts festzustellen, keine Temperatur, kein Humpeln, etc...lediglich die Tatsache, dass er auf Asphalt wie eine Eins läuft und im Stall auf unebenem Boden sich schwer tut.

Am Abend dann gings für die Pferde auf die Weide. Unser Patient hatte sich mit allen Vieren hinter die Wand gestellt und so gar keine Lust sich irgendwohin zu bewegen. Die Herde lief also weiter vom Stall weg und als er sie wirklich nicht mehr sehen und hören konnte, bewegte er sich langsam aus dem Offenstall. Ab der Grasnarbe lief er schon besser und auf dem Asphalt wollte er sogar traben, was ich allerdings unterband. Die Herde war schnell aufgeholt und er übernahm in einem Schwung die Führung bis zur Wiese. Ist er mal in Gang läuft er gut und ich hatte das Gefühl, dass er noch viel weiter laufen wollte, als nur zur Wiese. Er ist gar nicht mehr so verfressen, wiedersteht dem quietschgrünem Gras auf der Seite, wichtiger scheint es ihm zu sein, ein paar Meter zu machen.

Am nächsten Tag gegen Mittag holten wir die Rasselbande wieder. Der Weg von der Wiese zum Stall nimmt in der Regel 20 min in Anspruch. Während die Herde von Anfang an in normalem Tempo davon ging, lief er viiiel langsamer. Stetig aber sehr langsam. Es ließ sich nicht genau eruieren, warum, die Füße waren kühl und nicht angelaufen. Aber es nützte sowieso nichts, auf dem Asphalt würde er es sicher in seinem Tempo nach Hause schaffen.

Bei der Hufkontrolle dann sah ich wie die Sohle schon teilweise weg hing im Zehenbereich und entdeckte ein tiefes Loch. Ein Abzess war es. Schon geöffnet und die Sohle war feucht, was dafür spricht, dass der Eiter seinen Weg nach draußen gesucht und gefunden hat. Schlussendlich war ich froh ihn mitgenommen zu haben, da der Abzess schneller rauskommt, wenn der Huf in Bewegung ist. Und von sich aus. 

Ein Abzess aus der Sohle ist selten, normalerweise sucht sich dieser Entzündungsherd seinen Weg über Ballen bzw Kornrand. Und nachdem sich da eine "Standleitung" eingerichtet hatte, sich der Strahl einmal komplett löste, dachte ich nicht mehr daran. Jetzt scheint es mir logisch, da im Bereich der Zehe, das Hufbein sicherlich arg gequetsch hat heuer im März. Das Loch würde mir keine Sorgen mache, denn er ist definitiv schmerzfrei, aber es könnten sich Steine und Dreck hineindrücken, die den Weg der Entzündung hemmen würden. Also folgte der 2. Versuch mit den Hufschuhen. Die Equine Jogging Fusion sind ausgelegt dafür permanent angezogen zu werden. Natürlich mit einer täglichen Kontrolle auf Druckstellen, Abrieb usw...und sowieso bei einem Huf wie diesem. Die Zehenlänge wurde also kurz gemessen und ich konnte zu meiner Zufriedenheit feststellen, dass diese am linken Huf um 2 cm abgenommen hat. Also mehr Platz für den Huf. Das Loch füllte ich mit Betaisadona. Und es ist wirklich so tief, als dass die Flüssigkeit darin versickern konnte. Er lief vom ersten Moment an viel besser auf den Ecorastern.

Am nächsten Tag war er der erste, welcher während Ausmisten sich in den Auslauf bewegte. Und durch die Quietscherei welche zu hören war, wenn ich nicht im Stall war, konnte ich annehmen, dass er jetzt weit schneller und bewegungsfreudiger ist, als bis zuletzt. Kurzum ich entschied mich, mit den Hufschuhen einen Versuch zu starten. Müde und zufriedene Pferde lassen ihre Herdenkameraden eher zu frieden. 

So starteten wir bei der Abenddämmerung und abgekühlten Temperaturen zu einem Spaziergang mit der ganzen Meute. Die Hufschuhe hatte er bereits den 2. Tag an. Kontrolliert hatte ich sie bereits. Der linke Schuh war feucht, was auf weiteren Eiteraustritt schließen lässt. Der Gestank war mäßig, nicht so schlimm wie dazumal bei der Strahlablösung. Dennoch desinfizierte ich den ganzen Innen schuh und ließ es kurz antrocknen. Das Loch wurde wieder mit Betaisadona gefüllt. Keine Druckstellen - gut!

 

Der Spaziergang, sein erster wohlgemerkt, der weiter als zum Bach oder zur Wiese ging, dauert über 1 Stunde. Führte ihn durch den Wald, aufwärts und abwärts auf Schotter und über Wurzeln, An Schafen und Kühen vorbei, er lief voraus und war sehr flott unterwegs. Man kann mit dem Riesentier wenn er mal seinen Schritt hat, kaum gemütlich mithalten. Natürlich war es für ihn mehr als spannend und er ging voraus. Ich habe langsam aber sicher das Gefühl, dass er keinen Schuh introvertiert ist...sondern vor lauter unentdeckter Schmerzen und Übergewicht phlegmatisch wurde....Es ist an der Zeit an seine Grundausbildung zu denken. Langsam aber sicher.

 

So hatten wir diese Woche genau 2 Durchbrüche, den einen Abzess und den ersten Spaziergang!  

 

30.8.15 08:20

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