Weihnachten, Geburt...oder Folge dem Stern

Etwas unspektakulär fielen die letzten Wochen aus, natürlich nur von Leserseite her. Es gilt in der Zeit in welcher "nicht viel" passiert an der Oberfläche, seine Reserven aufzufüllen, zu verschnaufen und dem Prozess zu vertrauen auch wenn man ihn nicht kennt - denn jeder Weg ist ein anderer. Ein ähnlicher vielleicht, aber sicherlich anders.

 

Die Abszesszeit war anstrengend genug. 

Und so kam es dass die Wochen vergingen, mit Hufpflege und kleineren Spaziergängen.

Zu Weihnachten dann, setzte anstatt Schneefall Föhn ein. Die Pferde hatten zuerst Kotwasser, dann Durchfall, was definitiv von der Wetterlage kam...denn das Heu war seit November immer dasselbe gewesen. 2 Tage nach Weihnachten, bemerkte ich unter der Herde eine Unruhe, welche sehr seltsam war. Es war immer Bewegung in der Herde. Nach genauerer Beobachtung, fiel mir auf, dass Jack, welcher nun auf täglicher Basis seine Hufschuhe mit Sporteinlagen trägt, die anderen herumschickt. Am Abend dann, ließ er mich keine Sekunde aus den Augen und verfolgte mich - höflich aber stetig - auf Schritt und Tritt. Ich hatte das Gefühl, irgendetwas war anders, er war aufmerksamer, nahm Anteil und im Gegensatz zu den letzten Monaten, war er mal nicht mit sich selbst beschäftigt.

Dann überlegte ich, dass eigentlich so jeden Morgen irgendein Saustall im Stall herrschte, welche in Reichweite seines Kopfes war. Er hatte...LANGEWEILE...

Man könnte jetzt sagen, ist ja klar, wenn der nur rumsteht - monatelang - ...aber ich denke er hatte andere Sorgen schlussendlich, als sich gelangweilt zu fühlen. Es schien an diesem Abend, als ob er mehr wollte, als nur zum Heu und zur Selbsttränke zu kommen. 

Am nächsten Tag bzw Morgen war die Herde auf der gefrorenen Wiese und Jack, buckelte unentwegt. Bewegungsdrang. Freude und Übermut...trotz der für die Dichte des Felles zu hohen Temperaturen.

Also entschied ich mich, den Jungen zu reiten. In Absprache mit der Besitzerin bzw sie begleitete mich schlussendlich, sattelte ich ihn, als ob nie was anderes gewesen wäre. Er stand ruhig da. Und als wir auf die anderen warteten, trug er mit Stolz den Sattel. Klingt jetzt alles ziemlich pathethisch, aber es herrschte eine ziemlich festliche Stimmung bevor es losging. Mit den Hufschuhe folgte er schnellen Schrittes, die Ungeduld mancher Spaziergänge war verschwunden, kein Rempler, nur geduldiges Warten. Bis der Sattel fester angezogen war, die Steigbügel passten und schlussendlich, endlich, der Reiter im Sattel war.

Dann gab es allerdings kein Halten mehr bzw gab ich ihm die Freiheit, so schnell im Schritt zu gehen wir er dachte, er müsste das. Offensichtlich hatte er viel vor bzw sich wahrscheinlich erdacht gehabt für sein erstes Mal. Er ging als Erster, ohne Zögern, allen voraus bis hin zum Wald. Dann weiter und versuchte sich im lockeren Trab. Nach ca 20 min bergauf, schien eine Pause richtig. Schließlich gingen wir bergab, um es nicht zu übertreiben und zu Hause, durfte er sich noch in der Wiese wälzen. Anschließend hatte er immer noch genügend Energie...

Motivation ist sehr wichtig. Nach dieser langen Durststrecke für ihn...

10 Monate nicht geritten

noch länger nicht im Gelände

noch nie im Gelände ohne Gebiss oder Zügelkontakt

bin ich schon auf den 2. Ritt gespannt.

Wie die Besitzerin sich an diesem Tag fühlte, nachdem zwischendurch immer wieder Zweifel aufkamen, ob die Sache klappt, ob er nicht besser von seinem Leid erlöst werden sollte...kann sich wohl jeder vorstellen.

Ein schönes Weihnachtsgeschenk!

 

  

  

30.12.15 11:13

Letzte Einträge: Die Haut - das größte Organ am Körper!, jeder Tod bedeutet eine Wiedergeburt, Mentale Gesundheit, emotionale Balance und Motivation, Durchbrüche, Zeitraffer

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